Junge Roma: Freiwillige können Missstände selbst anpacken

Vom Freiwilligen zum stellvertretenden Vorsitzenden. Der aus Mazedonien stammende Merdjan Jakupov hatte vor einigen Jahren selbst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) gemacht. Heute koordiniert er die Jugend- und Freiwilligenarbeit bei Amaro Drom in Berlin. Im Interview erzählt er von seinen Aufgaben bei der Jugendorganisation und dem guten Gefühl, etwas bewegen zu können.

Wie hast Du damals Deutschland als Freiwilliger erlebt?
Merdjan Jakupov: Aller Anfang ist schwer. Besonders wenn man in ein Land kommt, in dem man die Sprache nicht spricht.

Was hast Du während dem Freiwilligenjahr gemacht?
Merdjan Jakupov: Ich hatte das Gefühl, etwas zu bewegen. Dieses gute Gefühl ist, glaube ich, für die meisten Freiwilligen der Grund, sich zu engagieren. In meinem Dienst war ich stark in der Jugendarbeit involviert bei Amaro Drom. Zum Beispiel habe ich die Kampagne "All in one Society" koordiniert. Das war eine Aktion des Internationalen Roma Jugend Netzwerk Ternype. Wir haben uns gegen Antiziganismus, Rassismus und Diskriminierung in Europa eingesetzt.

Ist das eine typische Arbeit bei Amaro Drom?
Merdjan Jakupov: Das Wort "Amaro Drom" kommt aus dem Romanes und heißt übersetzt „unser Weg“. Wir sind ein interkultureller Jugendverband von Roma und Nicht-Roma. Ziel ist es, mit den diskriminierten Jugendlichen mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Es geht um die selbstverständliche Teilnahme von Roma in allen gesellschaftlichen Bereichen in Deutschland. Wir setzen uns für eine Gesellschaft ein, in der gemeinsame Verantwortung und Respekt groß geschrieben werden.

"Wir möchten benachteiligten
Jugendlichen ein FSJ ermöglichen"

Was bringt es den Jugendlichen einen Freiwilligendienst zu machen?
Merdjan Jakupov: Viel. Zum Beispiel das Gefühl, dass sie wahrgenommen werden, dass Ihnen jemand zuhört. Außerdem: Missstände in einer Gesellschaft selbst anpacken und durch das eigene Tun etwas bewegen, das ist ein wunderbares Erlebnis. Unser Ziel ist es, besonders benachteiligten Jugendlichen und jungen Roma, die aufgrund struktureller Diskriminierung erschwerte Zugangsmöglichkeiten zu Freiwilligendienstprogrammen haben, ein FSJ oder ein BFD zu ermöglichen.

Warum freut sich Amaro Drom über Freiwillige?
Merdjan Jakupov: Wir verstehen Freiwilligendienste als eine Möglichkeit für junge Menschen, sich durch den Einsatz von Zeit und Energie aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Im Gegenzug für ihr Engagement profitieren die Freiwilligen von einer einmaligen Erfahrung. Sie lernen im interkulturellen Bereich dazu und erweitern ihre Sprachkenntnisse.

Freiwilligendienste sind bei jungen Migranten in Deutschland eher unpopulär. Hast Du eine Idee, warum das so ist?
Merdjan Jakupov: Ich glaube, das stimmt so nicht. Wer von der Möglichkeit eines Freiwilligendienstes erfährt, der macht oft auch gerne einen. Das Problem ist eher, dass die Infos nicht zu den jungen Migranten kommen. Ich denke es ist erstmal wichtig, noch mehr Infos über FSJ und BFD in den Schulen zu verteilen. Man sollte die Jugendlichen neugierig auf diese Arbeit machen.

Wie können sich, aus Deiner Sicht, Freiwillige mit Migrationshintergrund in der Gesellschaft einbringen?
Merdjan Jakupov: Die Freiwilligen können und wollen überall mitgestalten! Das geht aber nur, wenn sich die Gesellschaft wirklich auf die Jugendlichen einlässt, wenn die jungen Migranten wahrgenommen werden. Nur wenn sie das Gefühl haben, als Teil der Gesellschaft akzeptiert zu sein, haben sie überhaupt die Möglichkeit sich voll einzubringen.

Interview: Laura Schlegel


Stichwort:
Freiwilligendienst bei Amaro Drom e.V.

Der Verein "Amaro Drom" gibt jungen Roma und Nicht-Roma die Möglichkeit, Freiwilligendienste in lokalen Communites und Projekten zu machen. Der Einsatz dauert bis zu einem Jahr. Der Verein hat Kontakte zu Roma-Projekten in Osteuropa.

Aber auch in Deutschland können sich Jugendliche und junge Erwachsene als Freiwillige für Amaro Drom engagieren. Dabei wird der Verein von der Diakonie Berlin-Brandenburg und der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen  Jugend in Deutschland (aej) über das Projekt "Engagiert statt abgehängt" unterstützt. 

Interessiert an einem Freiwilligendienst bei Amaro Drom?
www.amarodrom.de/freiwilligendienste

 

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